Dienstag, 17. Januar 2017

Villa O'Higgins- El Chalten (Argentinien)


In Villa O'Higgins endet die Carretera Austral.
Na, eigentlich nicht ganz...
Sondern erst 8km weiter am "Hafen" der zwei Fähren über den Lago O'Higgins, einen mehr als 1000qkm großen spinnenfoermigen See, mit 860m Tiefe der tiefste von ganz Südamerika.
Und er ist noch längst nicht ganz vermessen.
Über den See wehen fast täglich heftige Winde. Ale paar hundert Meter aus einer anderen Richtung.
Es bilden sich mehrere Meter hohe Wellen.
Lange Zeit war er nicht befahrbar.
Unser Veranstalter- RobinsonCrusoe- brachte ein früheres chilenisches Kriegsschiff auf dem Landweg hierher, demontierte die Maschinengewehre und baute ihn aus.
Die Überfahrt über den See kostet etwa 50 Euro - incl. Bike.
Für den doppelten Preis besucht man auch noch den Gletscher O'Higgins.
Ob das Boot dann auch tatsächlich fährt erfährt man erst am Hafen. Bei mehr als 20 Knoten Wind verbieten die Hafenbehörden das Auslaufen.
Wir haben Glück. Nur 18 Knoten.
Wir wollten auch keinen Knoten mehr.
Ein großer Teil der Passagiere hängt seekrank in den Sitzen.
Die Gischt fegt über das Boot.
Da mehrere Tage keine Schiffe fahren durften stauten sich die Radler.
An Bord sind gleich 11.















Wie es sich gehört gab es auch für jeden Teilnehmer der Gletschertour einen Whisky mit jahrtausende altem blauem Eis.

Zwischen dem Lago O'Higgins und dem 22 Kilometer entfernten Lago Desierto verläuft die Grenze zu Argentinien.
Beide Staaten sind sich nicht grün.
Es gibt noch immer Grenzstreitigkeiten und die Befürchtung der Argentinier einige Touristen könnten womöglich ins billigere Chile ausweichen.

Chile hätte gerne die Carretera Austral bis nach Argentinien hin verlängert, damit diese nicht als Sackgasse endet.
Auf argentinischer Seite fehlen nur 6 Kilometer zur Anbindung an das argentinische Straßennetz.





Diese fehlenden 6km haben die Argentinier so ausgebaut, dass sie sich bestens für eine Weltmeisterschaft fürs Querfeldeinfahren der Profiradler eignen würde.
Eh ist sie nur für Reiter, Fußgänger und Radler geöffnet.
Aber auch denen macht man es so schwer wie möglich.
Wege so eng wie möglich. Zur Not mit Steinen oder Baumstämmen künstlich eingeengt. Immer wieder müssen die Taschen ausgehängt werden. Und die Räder steile Abhänge hochgezogen werden.
Bachläufe ohne Brücken, Schlammpassagem, und, und, und...
Wir brauchen für diese 6km Tortur fast drei Stunden.
Und sehen unser Fährboot ablegen.
Zum Glück gibt es abends noch eines.

Dann zwingt uns aber heftiger,eiskalter Regen mit dem Zelt in den großen Aufenthaltsraum eines Campingplatzes am Südende des Lago Desierto.

Heute dann schönstes Wetter und heftiger Rückenwind.
Und schönste Ausblicke auf den berühmten Berg Fitz Roy in dem total überlaufenen Touristenort El Chalten.

















Eigentlich wären wir jetzt in Richtung El Calafate unterwegs.
Der Wetterbericht war katastrophal.
Nachts heftiger Sturm und Regen.
Unser Wirt ist Bergführer und rät uns dringend die Abfahrt um einen Tag zu verschieben.
Sobald wir uns entschlossen haben noch einen Tag zu bleiben gibt es einen Traumtag. Gut zum wandern und einen Biergartenbesuch.




















El Chalten liegt da, wie ein gestrandeter Alpen- Skiretortenort im Hochsommer.
Früher wohnten hier 50 Leute.
Jetzt gibt es mehr als 200 Übernachtungsmöglichkeiten.
Bis auf drei sind alle ausgebucht.
Zwei davon kosten mehr als 500 Euro.
Wir entscheiden uns für das dritte.
Sehr nett. (Empfehlenswert: Casa Andina, El Chalten).
Laura, die Besitzerin ist Englischlehrerin und lebte zwei Jahre in Bayern und in der Schweiz. Das erleichtert die Konversation. Ihr Mann Pedro spricht auch ein gutes Englisch und ist Bergführer.
Er kennt wohl ganz Argentinien. Und die angrenzenden Länder gleich mit. Ein Glücksfall für uns.

Und endlich können wir mal wieder Speisen kochen,die uns auch schmecken.
Täglich Bistec und Pommes Frites werden nach einigen Wochen fad.

Ein eigenartiger Ort.
Viel zu viele Touristen. Die Trecks und Camps jetzt in der kurzen Hochsaison überlaufen.
Sowohl von Einheimische wie auch von Ausländern.
Wir hören oft die deutsche Sprache.
Und treffen  andere Radler, dir wir zuvor in Peru, Bolivien oder Chile trafen.

Die Auswahl in den vielen und auch großen Supermärkten ist aber kleiner, als in den wenigen winzigen in Villa O'Higgins.
Mit Kreditkarte kann man hier allerdings fast nirgends zahlen.
Und der einzige Geldautomat streikt.....
Kann noch lustig werden...

Aber die Berge sind atemberaubend.
Und nicht nur atemraubend wie auf dem Bike.




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